Internetwache Polizei NRW

Die Politik plant eine Art 110 für „das Internet“, eine Notrufsäule, oder, um präziser zu sein, ein Formular auf einer Internetseite der Polizei, über welches man angekündigte Straftaten melden kann. Die Polizei in NRW betreibt bereits eine solche Webseite.

Eine Studie des Projektes „Leaking Projekts“ der FU Berlin behauptet, dass jede Straftat (Amoklauf, Gewalt, etc.) größeren Ausmaßes vorher im Internet angekündigt wurde. Ich vermag das nicht zu beurteilen, jedoch ist diese Aussage schon beachtenswert: führt man sich vor Augen, was alles unter dem Begriff „Internet“ zusammengefasst wird, erkannt man die Tragweite dieser Aussage. „Internet“ ist

  • WWW
    • Webseiten
    • Blogs
    • Foren
    • Gästebücher
  • Usenet
  • IRC
  • Instant Messaging (ICQ, MSN, Jabber, YahooIM, etc)
  • Voice over IP
  • e-mail
  • Übertragungsmöglichkeit für andere Dienste
    • Online BBS
    • andere Netze (Fido, Z-Netz, etc)
  • Telnet
  • FTP
  • P2P (eDonkey, Bittorrent, etc)
  • und noch mehr,…

Diese pauschale Aussage ist sehr selbstbewusst. Man stelle sich vor, dass jemand seine Tat ankündigt, indem er eine Textdatei auf einen FTP-Server hochlädt. Damit würde er sein Vorhaben „im Internet“ ankündigen. Ob es jemand liest – oder gar findet – steht auf einem anderen Blatt. Die meisten Leute verstehen unter „Internet“ jedoch nur das www, also der Abruf von Webseiten per http://xyz.tld

Es bleibt zu hoffen, dass diese Art der Alamierung von den zuständigen Polizeibehörden auch ernst genommen wird. Dann nämlich hätte man auch Thorsten Schäfer-Gümbel verhaften müssen, dieser nahm 1993 an einer Protestaktion teil, bei der einige Jusos drohten, einen Hund zu vergiften, falls Hessen keinen Abschiebestopp für Kurden verhängen sollte. Ein eindeutiges Zeichen von Frust und einer stark gewaltbereiten Persönlichkeit?

Es besteht aber noch Hoffnung, dass Abseits von medienwirksamen Schnellschüssen (Killerspiele verbieten) überlegt wird, wie man wirklich vorbeugend tätig werden kann. Wenn auch nur ein einziges Leben durch eine solche Frühwarnseite gerettet werden kann, hat sie ihren Zweck erfüllt und viel Gutes getan. Ob es dazu kommt wird sich zeigen, nach Aussage von „Leaking Projekts“ gibt es ja offenbahr ausreichend viele Hinweise vor einer schrecklichen Tat.